Schwiizerreisli 2.Teil

13.07.2020

Am 18.07.2020 ist es wieder soweit. Nach der Walliswoche im Juni, welche wir "stationär" verbracht haben, machen wir uns auf die 2.Etappe unserer Schweizer Rundreise. Unser Ziel ist es, das Bündnerland besser kennen zu lernen. Natürlich hoffen wir, nicht zuletzt wegen der Höhe ü. Meer unserer Stationen, auf gutes Wetter mit angenehmen Temperaturen. Wir möchten uns die Zeit mit etwas körperlicher Betätigung beim Biken und Wandern vertreiben, was im gut erschlossenen Bündnerland nicht immer mit Gewaltsmärschen und steilen Aufstiegen einher gehen muss.

Das ist in etwa die geplante Route, sofern und Petrus keinen Strich durch die Rechnung macht. ;-), naja, der Innerschweiz werden wir auf der Rückreise auch noch einen Besuch abstatten, sofern es uns die Zeit erlaubt.

1. Tag, 18.07.2020

Niederbüren - Samnaun, ca. 210 km

Wenn alles normal wäre wären wir bereits gestern, gleich nach der Arbeit in Richtung Ungarn abgezischt. Aber was ist in dem Jahr schon normal. Um allen allfälligen Quarantänefolgen auszuweichen haben wir auf Ferien in der Schweiz umgestellt. Nach dem Jura im Mai, der Chillwoche im Wallis, steht nun Aktivurlaub im Bündnerland auf dem Reiseprogramm 2020. Geplant war am Samstag bis nach Klosters zu fahren und den dortigen Stellplatz auf seine Tauglichkeit zu prüfen und dann am Sonntag die Reise nach Samnaun fortzusetzen. Da die Wetterentwicklung für die nächste Woche nicht so klar ist, der Wetterbericht jedoch zumindest für Sonntag bis Dienstag Gutes verspricht sind wir direkt nach Samanaun gefahren.

Natürlich nicht ohne einen Zwischenstopp zu machen. Für die Kurzbesichtigung Unterwegs ist die Wahl auf das Schloss Tarasp, kurz vor Scuol, gefallen. Das Schloss wurde 1040 erbaut und über die Jahrhunderte bis zu einer Grenzbefestigung ausgebaut. Nachdem das Schloss über Jahrzente dem Zerfall preisgegeben wurde, erbarmte sich im Jahr 1900 Karl August Lingner, dem Erfinder des Odol Mundwassers und kaufte das Schloss. Bei den umfangreichen Restaurationsarbeiten wurde auch die grösste private Orgel der Welt eingebaut.

Die Anfahrt zum Schloss hinauf ist soweit kein Problem, nur duch das enge Dorf hoch zum Parkplatz ist kaum breiter als unser Womi. Also ist wieder einmal etwas Vorsicht angebracht um keinen bleibenden Schaden davon zu tragen. Nachdem wir den Parkplatz geentert haben machen wir uns inkl. Farino auf den kurzen Weg zum Schloss. Dabei kommt es zu einer unheilvollen Begegnung mit einem Bündner.... Farino erlaubt sich, ausserhalb meines Blickwinkels an eine Hausmauer zu pinkeln, nicht nett, aber sowas kommt vor. Was mir weniger bekannt ist das ich im Anschluss darauf, auf das gröbste beschimpft werde. Selbst eine Entschuldigung meinerseits konnte den guten Mann nicht mehr beruhigen. Ich beschliesse auf seine Beschimpfungen nicht einzugehen und lass ihn stehen.

Leider sieht man Schloss so aus der Nähe nicht viel. Rundgänge sind nur innerhalb von geführten Touren möglich. 15.- Fr. pro Nase, scheinen mir dann doch etwas hoch und wir belassen es beim geniessen der Aussicht. Dann geht es weiter in Richtung Martina und von dort nach Samnaun. Bei Vinadi schwenke ich selbstbewusst in Richtung Ziel, etwas erstaunt nehme ich zur Kenntnis das die max. Durchfahrthöhe 3.00m beträgt, zur Erinnerung, unser Womi ist 3.14m hoch. Ich denk mir noch, das wird wohl erst weiter hinten im Tal sein. Denkste bereits der 2. oder 3. Tunnel verengt sich in Breite sowie Höhe zu einer schmalen und ebenso tiefen Durchlass. Gott sei Dank ist es hier finster wie im A... einer Kuh. Rosi`s Mimik verrät mir das es ihr hierbei nicht mehr so wohl ist. Geht aber alles glatt. Auf dem Rückweg werden wir dann aber die Strasse über Spiess nehmen, immer in der Hoffnung das da dann mehr Platz ist.

Der Camping von Samnaun ist eher ein Stellplatz mit Container Dusche und Toilette, weniger ein Campingplatz wie wir uns das vorstellen. Der Platz ist kaum belegt und so suchen wir uns ein Plätzchen etwas am Rande aus. Es kommt natürlich wie immer, kaum stehen wir, kommt schon der deutsche Kuschler welcher sich eaxaktemang gleich neben uns einrichtet. Vier kleine Chihuahua im Schlepptau, Farino freuts.... Naja, umziehen möchten wir nicht, also finden wir uns damit ab.

Nach einem Spaziergang durch Samnaun kehren wir erst in der Sportbar am Platz ein (wie gesagt Aktivurlaub... ;-) wo wir uns von den "Strapazen" erholen, bevor wir zum Womo zurückkehren. Dort setzen wir uns dann vor unsere temporäre Behausung und geniessen die Sonne welche zeitweise scheint. Leider nimmt aber die Bewölkung stetig zu und der frische Wind veranlasst uns den Sitzplatz nach drinnen zu verlegen. Ab morgen soll das aber besser sein und wir hoffen auf etwas Sonnenschein für die geplante Wanderung zur Alp Bella.

2.Tag, 19.07.2020

Samnaun Dorf - Alp Bella- Samnaun Dorf

https://www.relive.cc/view/v26M8gyjD3O
Nach einer kühlen sternenlosen Nacht, erwartet uns heute Morgen blauer Himmel und herrlicher Sonnenschein. Ein Tag der so richtig zum Wandern einläd. Doch erst muss ich im Dorf noch Brötchen fürs Frühstück und die Marschverpflegung besorgen. Für Farino ist das o.k., so kommt er schon zeitig zu einem ersten Spaziergang.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, machen wir uns eilig wanderfertig, den die nächste Bahn fährt um 10.00 und wir haben gerade noch 15 Min. Zeit bis dahin. Den kurzen Fussmarsch zur Bahn haben wir rasch hinter uns gebracht, nun noch schnell die Tickets am Schalter holen. Mit der Gästekarte sind alle Bergbahnen und Busse gratis, trotzdem hält sich der Ansturm in Grenzen. Es hat generell nicht sehr viele Touristen hier in Samnaun, was ja auch nicht unangenehm ist. Die Bergbahn, vielmehr der Twinliner ist eine der weltweit grössten Pendelbahn und wurde 1995 gebaut. Die Kabine ist 2-stöckig und fasst insgesamt 180 Personen.

Pflichtbewusst haben wir uns die Gesichtsmaske übers Gesicht gezogen, wie alle anderen Passagiere auch. Ist etwas mühsam, die Brille beschlägt sich dauernd, also schieben wir für die kurze Zeit der Fahrt die Brille auf die Stirn.

Auf der Bergstation dem Trider Sattel starten wir dann unsere Wanderung zur Alp Bella. Der Weg führt erst auf einer breiten Fahrstrasse etwa 100 Hm hinunter, bevor wir auf den eigentlichen Wanderweg zur Alp Bella treffen. Immer wieder kreuzen wir coole Biketrails die die Hänge durchziehen. Noch etwas fällt uns auf, wir werden beobachtet.... Immer wieder zeigen sich uns die Munggen auf ihren Beobachtungsposten und beäugen uns aufmerksam. Ihre grellen Pfiffe hallen über die Hänge und warnen ihre Artgenossen vor unserer Anwesenheit.

Der Weg steigt meist sanft bis auf fast 2500 m.ü.M an und führt über grosse Geröllhalden und den geschundenen Berghängen entlang. Die Eingriffe in der Natur für die Skipisten sind unübersehbar und ziehen tiefe Narben ins Grün der Bergflanken.

Farino hat sich mittlerweile so richtig eingesaut als er ein Bad, ausgerechnet in der einzigen Dreckpfütze weit und breit, nimmt. Nach knapp 1.5 Stunden erreichen wir dann die Alp Bella, eine der höchstgelegenen Kuhalpen in Europa. Die Milch wird hier aber nicht auf der Alp verkäst, sondern fliesst durch eine Leitung hinunter ins Tal wo daraus guter Alpkäse gemacht wird. Wir machen hier eine Rast und setzen uns draussen vor der Alp auf einen der aufgestellten Bänke. Leider hat sich mittlerweile die Sonne hinter den immer zahlreicher werdenden Wolken versteckt und wir sind froh um unsere Jacken. Nachdem wir uns gestärkt haben, machen wir uns auf den Rückweg hinunter ins Tal, immer der Skipiste entlang, fast wie auf einer letzten Talabfahrt. Entsprechend steil ist der Kiesweg von der Alp ins Tal hinunter. Wenn wir das so gewusst hätten wären wir vielleicht besser der 2. Möglichkeit gefolgt und zurück Alp Trida und wieder hoch zum Trida Sattel, wo wir wieder die Bahn hätten nehmen können. Aber wir haben uns anders entschieden und prompt rutscht Rosi auf dem Kies aus und verknackt sich das Knie. Das macht den Abstieg natürlich nicht einfacher und die Laune nähert sich dem Tiefpunkt. Vollends fertig lustig ist es als wir nicht in den vorbeifahrenden Bus steigen, da ich fälschlicherweise annehme das dies der Falsche sei. Unter den zornigen Blicken meiner Frau setzen wir unseren Heimweg halt zu Fuss bis nach Samnaun - Plan, fort. Rosi wartet dort dann aufs Postauto, während ich mit Farino dem Talwanderweg nach Hause folge.

Nach gut 4 Stunden Wanderung sind wir also wieder zurück und ein schöner Wandertag endet leider mit Misstönen. Hoffentlich hebt der FCSG die Laune wieder indem er einen tollen Match gegen Thun abliefert. Also schauen wir uns gespannt das Spiel im Internet (gutes WLAN sei Dank) an, leider bleibt der Sieg verwehrt und St.Gallen verliert in Thun mit 2:1. Die letzte Hoffnung liegt also beim Abendessen, es gibt lecker Lammfilet mit Kartoffelgratin und Salat vom Grill,... also der Gratin und das Filet, logo. Ich glaube es hat funktioniert....

3. Tag, 20.07.2020

Samnaun - Zeblasjoch - Salaalserkopf - Alp Trida - Samnaun

Heute ist Bikeday für mich und für Rosi Ruhetag um ihren Muskelkater zu geniessen.... ganz schön gemein, gell. Zugegeben ich spür die Beine auch, hoffe aber das mich das beim Biken nicht behindert. Aus der Erfahrung sollte das kein Problem sein. Die Kondition und die Kraft in den Beinen wird mich heute aber schon noch etwas beschäftigen.

Nach einen guten Frühstück mache ich mich um halb zehn auf den Weg zum Zeblasjoch auf 2540 m.ü.M. muss aber nach wenigen Metern schon umderhen. Ich hab die Bahnkarte vergessen und man weiss ja nie ob ich heute noch brauche. Also auf ein Neues. Es geht erst durch Dorf Samnaun und dann recht moderat auf einen unbefestigten Strasse immer bergan. Doch oha, die Steigung hat es in sich und ich gerate schon bald einmal arg ins schnaufen. Unter dem Vorwand Fotos zu machen, halte ich immer wieder mal kurz an und lassen meinen Blick in die Berge schweifen. Nach etwa 5 km Wegstecke gehts dann so richtig zur Sache und die rund 700 Hm wollen verdient sein. Obwohl der Weg gut ausgebaut ist muss ich immer mal wieder vom Rad steigen und schieben und schieben und schieben. Naja, zu Fuss bin ich nicht viel langsamer als wenn ich fahren würde. Nach etwas mehr als einer Stunde ist es dann geschafft, das Zeblasjoch an der Grenze zu Österreich ist erreicht. Ich verschnaufe nur kurz, angesichts der nächsten fast überhängenden Steigung in Richtung Palinkopf. Die Strasse wurde wohl erst kürzlich gebaut, der Boden ist tief und steigt so mächtig steil an, an fahren ist für mich nicht zu denken. Erst kurz unterhalb des Palinkopfs auf 2700m.ü.M. kann ich wieder aufs Bike.

Unglaublich was mich hier erwartet, eine Grossbaustelle. Hier sieht es aus wie auf dem Mond, natürlich weiss ich nicht wie es auf dem Mond aussieht, ich war ja noch nie da. Aber was man hier für den Wintersport anstellt übersteigt mein Fassungsvermögen. Ich bin weiss Gott kein Naturschützer aber das was ich hier sehe erschüttert mich schon ein wenig. Im Winter wird man davon nichts sehen, aber jetzt im Sommer durchziehen autobahnartige Strassen die Bergflanken zu den Bergstationen der Sessellifte.

Der herrliche Ausblick in die Alpen entschädigt aber doch etwas und ich flitze eine der Autobahnen hinunter bevor ich zum Salaaserkopf abbiege. Von hier weg gibt es endlich einen schönen Singeltrail und vor allem es geht talwärts, die Plackerei hat ein Ende. Das haben sie gut gemacht, hier sind tolle Abfahrten für Biker ausgeschildert und zum Teil auch extra angelegt (oje, wahrscheindlich auch nicht ohne Baustelle...). Natürlich teilt man sich auch viele Wanderwege mit den Mitmenschen welche zu Fuss unterwegs sind. Mit gegenseitigem Respekt und etwas Rücksichtnahme ist das kein Problem.

Über die Alp Trida geht es wieder steil hinunter bis nach Samnaun-Laret und so langsam schmerzen meine Hände und Schultern, da bin ich dann doch nicht unglücklich wieder im Tal zu sein und radle gemütlich auf der Strasse hinauf zum Campingplatz. Gott bin ich froh wieder zurück zu sein, es war so anstrengend wie schön und hat aber trotz der Plackerei viel Spass gemacht. Abwärts etwas mehr als Aufwärts. Nachdem ich etwas regeneriert und geduscht habe gehen Rosi und ich noch ins Dorf zum bummeln. Muss ja auch sein, im Zollfreidorf. Ach ja, Durst hatte ich auch noch.....

4.Tag, 21.07.2020

Samnaun - Müstair, ca. 63 km

Gestern war früh LiLö, schon um Zehn waren wir beide in der Heia. Die gestrige Tour hat ihren Tribut gefordert und eingezogen...

Umso früher bin ich heut morgen wach, bereits um halb acht bin ich mit Farino unterwegs zum Bäcker, mit Umweg weil er gestern wohl etwas zu kurz gekommen ist. Ich hatte schlicht keine Lust mehr auf einen grossen Rundgang. Der Morgenhimmel ist bedeckt, aber die Temperatur ist ganz o.k.. Eigentlich haben wir heute einen Bergbahnausflug nach Ischgl geplant und wir wollen uns bald nach dem Frühstück auf den Weg machen. Doch der Himmel zieht sich immer mehr zu und es beginnt etwas zu nieseln, schlechte Karten für den Ausflug. Also konsultieren wir Mutti`s Wetter App und das verheisst nicht viel Gutes, tagsüber immer wieder Regen und bei Regen macht das keinen Spass. Nun muss eine neue Planung her. Kurzentschlossen ruf ich in Müstair im Münstertal auf dem Camping Muglin an, ob die Chance auf einen Übernachtungsplatz gegeben ist. Gute Nachrichten, es sollte kein Problem sein und das Wetter scheint auch eher besser zu werden. Zumindest wärmer ist es. Im Zusammenpacken sind wir ja die Spezialisten schlecht hin. Bis ich ausgecheckt habe ist das WOMO schon fast startklar, nur noch Abwasser entsorgen und Frischwasser bunkern, dann kann`s los gehen. Diesmal nicht durch die engen Tunnels nach Martina, sondern in Richtung Landeck und dann über die B180 zum Reschenpass. Bis nach Mals und dann rechts weg wieder der Schweizer Grenze zu.

Wir haben Glück und treffen kurz vor Mittag ein. Das freundliche Fräulein (sagt mal wohl nicht mehr so) informiert mich in bestem südtiroler Dialekt über die freien Stellplätze. Es gibt noch deren 4 mit Strom und viele ohne.. auf Grund des aktuell hohen Kaffekonsums, entscheiden wir uns für eine Parzelle mit Strom, so können wir auch all unsere elektronischen Helferlein problemlos laden. Wichtiges Kriterium bei der Platzwahl ist auch eine ausreichend gute WLAN Verbindung, morgen spielt der FCSG gegen Basel und das können wir auf keinen Fall verpassen.

Nebst dem Zügeltermin stehen heute noch wichtige Tätigkeiten an, ... Einkaufen im Volg zum Beispiel, ausser Bier... das hab ich noch... Und ein Einkauf im Hofladen vor Ort,.. alles Bio oder was? Ich erstehe zwei Entrecotes zu 80.- Fr. das kg.... Bio kostet..

Zu guter Letzt marschiere ich mit unserer Fellnase noch zum Cascade da Pisch, einen schönen Wasserfall in der Nähe, ich brauch ja noch ein paar schöne Fotos für den Blog.

Au ja,.. fast vergessen, das Wetter. Also das mit wärmer stimmt, zwischen durch etwas Regen und dann am Abend noch ein kleines Gewitter das rasch vorüberzieht.

5. Tag, 22.07.2020

Müstair - Ofenpass - Alp Mora - Müstair, ca.46 km

https://www.relive.cc/view/vYvrNBwWZxv
Das Wetter ist heute ganz o.k. Mal scheint die Sonne vom Himmel und es wird so richtig heiss und dann decken Wolken die Sonne wieder ab. Jetzt da ich gerade den Blog schreibe tröpfelt es vom blauen Himmel, nach dem zuvor in den Bergen Donnergrollen zu vernehmen war. Aber wir wollen nicht jammern solange das kurze Intermezzos sind.

Heute war ich zum Biken..., mit dem Postauto bis zur Passhöhe des Ofenpasses, dann zur Alp Buffalora. Ab dort war wieder einmal schieben angesagt, wie so oft in diesem Urlaub. Aber wie hat mir mal ein erfahrener Biker gesagt, "biken ist erst biken wenn man das Velo getragen und geschoben hat", wie wahr. Hier könnte man auch nach rechts zum Erzbergwerk Buffalora abbiegen, ich wusste gar nicht das es ein Selbiges hier oben gibt, resp. gegeben hat. Ich halte mich links nach Jufplaun über eine grosse Hochebene, immer in Richtung Alp Mora. Wunderschöne Gegend, muss man sich aber verdienen. Nebst einigen wenigen Bikern und Wanderern bin ich alleine hier oben. Herrliche Ausblicke in Richtung Val Mora eröffnen sich mir. Der Weg bis Jufplaun ist zumeist gut befestigt, ab dort gibt es einen schönen Singeltrail. Da ich alleine unterwegs bin steige ich in den Abfahrten machmal kurz ab um die verblockten Passagen zu Fuss zu bewältigen, ein Sturz wäre hier unpraktisch und da es auch kein Netz mehr hat könnte es durchaus etwas schwieriger werden Hilfe zu holen.

Auf der Alp Mora mache ich eine kurzen Halt und stärke mich mit einem Apfelschorle, Bier wär mir lieber, aber kenne die Anforderungen der Abfahrt nicht und lasses drum sein. Hier sind einige Wanderer und Biker anzutreffen, die Biker kommen oft von Sta.Maria hier hinauf gefahren, was nicht ganz ohne ist wie ich bei der Abfahrt feststelle. Die Abfahrt ist hier eigentlich noch gar keine Abfahrt, das Wasser fliesst mir entgegen und nicht wie ich angenommen habe in Richtung Val Müstair. Die Alpstrasse ist auch hier sehr gut ausgebaut und zieht sich über kleine Anstiege dem Val Müstair zu. DIe Gegend mit der wenigen Vegetation erinnert mich hier ein wenig an die Fyells im Norden Norwegens. Nach Döss Radond gehts dann wirklich dem Tal entgegen, teils auf der Kiestrasse, teils auf Abschnitten mit Singletrail`s die die Serpentinen in der Fallline kreuzen. In Sta.Maria angekommen verpasse ich den Abzweiger auf den Wanderweg und muss den Rest der Strecke auf der Hauptstrasse zurücklegen. Rosi hat die Zeit bis zu meiner Rückkehr mit der Lektüre eine Buches von Lisa Jackson verbracht und ohne mein Gequatsche hat sie auch einige Seiten geschafft.

Morgen gilt es dann auch für Rosi wieder ernst, ihr steht eine Biketour durchs Tal bevor... Ich gebe mir Mühe das es zu keinen aussergewöhnlichen Herausforderungen kommt, um so jeglichen Reklamationen vorzubeugen..

6.Tag, 23.07.2020

Müstair - Valchava - Müstair, ca. 15 km

Sta.Maria
Sta.Maria
da war doch mal was ....
da war doch mal was ....
Ortsmuseum Valchava
Ortsmuseum Valchava
ob der noch fährt?
ob der noch fährt?
Was war das für ein Abend gestern,... erst verliert der FCSG gegen Basel 0:5 und beraubt sich so fast aller Titelchancen und dann kommt auch noch der Sturm. Wir schenken uns die letzten 10 Minuten des Fussballspiel`s, wir haben genug gesehen und legen uns ins Bett. Kaum 10 Min. später kommt der Regen und das Donnergrollen, inkl. starken Windböen die ganz ordentlich an der Sonnestore zerren. Rosi wird langsam nervös da der Wind immer stärker aufkommt. Nun ja , was soll ich sagen. Aufstehen, Hose,T-Shirt und Regenjacke angezogen und schon stehen wir beide draussen. Auch in der Nachbarschaft tut sich etwas, während ich Tisch und Stühle im Schein der Taschenlampe in der Heckgarage verstaue und Rosi das Vordach festhält. Dann noch die Store eingefahren und wir können uns wieder beruhigt ins Bett legen und dem Sturm lauschen bis wir einschlafen.

Heute Morgen dann sieht`s wieder freundlich aus, einige wenige Wolken, ansonsten eitel Sonnenschein. Nach dem Frühstück ist Rosi kaum mehr zu halten, sie möchte unbedingt auf Rad. Also mache ich unsere Bike`s startklar. Wir wollen mindestens bis nach Valchava etwas oberhalb von Sta.Maria fahren um einige Fotos von den schönen Häusern zu machen, welche ich aus dem Postauto gesehen habe. Die sanfte Steigung hat es aber doch in sich und wir kommen ganz schön ins schnaufen. Ich darf gar nicht daran denken das ich vor einigen Jahren am Drei Länder Giro, problemlos den Ofenpass hochgeradelt bin und heute schon nach wenigen Kilometern ausser Atem bin. Vermutlich auf Grund des Sauerstoffmangels, schweifen meine Gedanken ab zu einem E-Bike.... Nichts desto Trotz nehmen wir nach Valchava die nächste Steigung nach Fuldera in Angriff um dann aber auf halber Strecke umzudrehen. Der Rückweg nach Sta. Maria ist natürlich um ein vielfaches angenehmer und die Terasse beim Bäcker Meier läd zu einen Boxenstop ein.

Der Bäcker Meier macht übrigends die beste "Tourta da nusch" im Bündnerland. Für diejenigen unter euch, welche der romanischen Sprache nicht mächtig sind,... Nusstorte. Dies wurde in einem Vergleichstest des Kassensturzes nachgewiesen und das Ergebnis hängt im Schaufenster und an der Türe zum Verkaufladen. Unser persönliche Test zeigt ein ähnliches Bild und wir können dem nur beipflichten.

Frisch gestärkt machen wir uns auf dem Heimweg und kurven auf der Westseite des Tales, Müstair zu. Unterwegs ziehe ich noch den Zorn einer östereichischen Radreisegruppe auf mich, als ich mit meinem unverwechselbaren Charme darauf hinwiese, sie sollen gefälligst nicht die ganze Strasse blockieren und nicht mitten in der Kreuzung stehen bleiben. Ich hab sie nacher nicht mehr gesehen, abwärts bin ich noch immer schneller als mein eigener Schatten. Wenigstens das kann ich noch...

Farino ist natürlich ebenfalls froh das wir nicht solange weg waren und er legt sich dann sogleich unter den Tisch an den Schatten. Ihm scheint es wie uns hier Sauwohl zu sein und wir überlegen ob wir unseren Aufenthalt nicht noch etwas verlängern sollen. Aber da schlafen wir nochmal drüber.

B&B in Sta.Maria
B&B in Sta.Maria
Valchava
Valchava

7.Tag 24.07.2020

Müstair, 0 km

in der Kürze liegt die Würze, Bett mit 1.5m Länge
in der Kürze liegt die Würze, Bett mit 1.5m Länge
der Plantaturm
der Plantaturm
Hotel zu verkaufen
Hotel zu verkaufen
https://de.wikipedia.org/wiki/Benediktinerinnenkloster_St._Johann?wprov=sfti1
Der Regen trommelt gleichmässig auf`s Dach, er hat sich bereits vor Tagen angekündigt und überrascht uns also nicht. Darum ist es wohl schon viertel nach acht als ich erwache.

Ein Tag zum Faulenzen oder wie wärs mit etwas Geschichtsträchtigem? Mit dem Kloster St.Johann in Müstair bietet sich die Gelegenheit ein UNESCO Weltkulturerbe zu besichtigen, welches auf der gleichen Ebene, wie zum Beispiel die Tempel von Abu Sibel in Ägypten, steht.

Das Kloster wird noch heute von 9 Benediktinerinnen bewohnt. Diese leben noch heute wie bereits seit 1200 Jahren nach der strengen Ordensregel "bete, arbeite und lies". Das Kloster wurde im Jahr 775 n.Chr. der Sage nac,h durch Karl den Grossen erbaut. Dieser soll nach seiner Krönung zum König der Langobarden auf dem Umbrailpass in einen Schneesturm geraten sein. Aus Dankbarkeit diesen überlebt zu haben, soll er das Kloster gestiftet haben. Seit dem 12 Jh. ziert daher eine Statue von Karl dem Grossen die Klosterkirche. Das Kloster wurde in den letzten 1300 Jahren immer wieder um und angebaut, dies zeigt sich an den verschiedensten Baustilen und Malereien. Wer sich näher für die spannende Geschichte des Klosters intressiert kann das im angefügten Link nachlesen. 

Also nichts wie los zum Weltkulturerbe. Wir machen es uns einfach und schliessen uns einer Führung an damit wir nicht alles selber nachlesen müssen. Es ist immer spannender die Geschichte auf diese Weise vermittelt zu bekommen. Die Führung startet in der Klosterkirche welche heute auch die Pfarrkirche von Müstair ist und führt im Anschluss durch das Museum welches auf verschiedenen Stockwerken im Plantaturm untergebracht ist. Wusstet ihr das man früher im Halbsitzen geschlafen hat? Sollte einem der Tod in Schlaf ereilen so war man Gott näher, darum waren auch die Betten nur etwa 1,5m lang. Solches erfährst du natürlich nicht beim nachlesen. Nach etwa 90 Minuten ist dann Schluss und die Führung endet wieder in der Klosterkirche.

In der Zwischenzeit hat es auch aufgehört zu regnen, viel besser kann man die Zeit also wirklich nicht nutzen. Eigentlich haben wir im Anschluss noch den Einkauf im Volg geplant, da es aber gerade 12 schlägt müssen wir später nochmals aufbrechen und lassen es bei einem Ortsrundgang bewenden. Hat jemand Interesse an einem Hotel? Ein selbiges würde nämlich noch zum Verkauf stehen....

Den Rest des Tages lassen wir mit lesen und schreiben gemütlich angehen. Morgen soll`s Wetter wieder gut sein und zu einer weiteren Bikerunde einladen. Wir werden sehen. Übrigends, die Würfel sind gefallen, wir haben unseren Aufenthalt bis zum Montag verlängert.

was er uns wohl sagen will?
was er uns wohl sagen will?
Blick in den Klosterhof
Blick in den Klosterhof
Zugang zum Kloster
Zugang zum Kloster

8.Tag, 25.07.2020

Mütair - Ofenpass - Müstair

Tja , das mit den Sonnenschein dauert gerade bis 9 Uhr, nachher ist es wieder stärker bewölkt, sieht aber nicht nach Regen aus. Wie gesagt für mich steht heute wieder eine Bikerunde an und Rosi will sich ihrem neuen Buch widmen, also alles bestens organisiert.

Für`s Posti um 9.31 Uhr wird`s nicht mehr reichen, zu lange gefrühstückt... oder nicht aus den Federn gekommen. Na egal, 1 Stunde später fährt auch wieder eins. So wie ich denken offensichtlich heute viele, das Postauto ist rappelvoll und auch unterwegs zum Ofenpass wollen immer noch mehr Leute zusteigen. Mittlerweile liegen wir 15 Minuten hinter dem Fahrplan, mir ist egal. Nur die Basler hinter mir regen sich auf, weil sie wohl ihren Anschlusszug in Zernez verpassen. Tja, wären sie mal lieber früher aufgestanden...überhaupt labern die einen Schei.... die ganze Fahrt, ich bin froh als ich dann auf der Passhöhe aussteigen kann.

Jetzt kann es los gehen, erst einen kurzen Single hinunter, dann kurz die Passstrasse überquert und schon geht`s hinauf. Ich hasse es,.. kaum losgefahren und dann schon in eine Steigung die es in sich hat. Die recht kurze Steigung habe ich dann bald mal hinter mir gelassen und es geht leicht coupiert über schöne Alpweiden dahin. Richtig herrlich, vielleicht kann ich Rosi überzeugen das wir das als Sonntagswanderung zu Fuss machen,... wer weiss. Ich komme flott vorwärts und erreiche schon bald die Alp da Munt, etwas oberhalb der Talstation des Skiliftes Minschuns, dem einzigen hier im Val Müstair.

Der Weg führt über ordentlich ausgebaute Alpstrassen bis zur Alp Campantsch, hier könnte man einkehren, so man wollte. Es sind seit dem Start aber gerade einmal 40 Min. vergangen, definitiv zu früh für eine Pause. Viel zu schnell bin ich auch schon in Lü, wo die geplante Strecke bereits in Richtung Tal strebt. Ich beschliesse wieder den Berg hochzufahren um zur Alp Terza zu gelagen und von dort dann nach Ruinatscha, hoch über Müstair zu fahren. Ab da gehts nur noch bergab, die gute Forststrasse erlaubt ein hohes Tempo, nur vor den Kehren muss ich ganz schön in die Eisen steigen, was meine Vorderbremse mit einem infernalischen Quitschen quittiert.

Bald im Tal angekommen biege ich nochmals in den Wanderweg ein. Richtig schön schmal und steil, 2x muss ich vom Rad da meine technischen Fähigkeiten für die 180° Kehren nicht ausreichen. So treffe ich nach etwas mehr als 2 Stunden Fahrzeit wieder auf dem Camping ein. Nach Routenempfehlung hätten es 3 Stunden sein sollen.... Mittlerweile getraut sich auch die Sonne wieder hinter den Wolken hervor, die hab ich schon etwas vermisst und es war auf den Abfahrten dann doch recht frisch.

Nach einer ausgiebigen, warmen Dusche, in dem im Übrigen ausgezeichneten Sanitärbereich des Campings, stelle ich die Tagesplanung von morgen zur Disskusion. Wie erwartet hält sich die Begeisterung etwas in Grenzen. Rosi kann sich weder für einen Veloausflug ins Südtirol noch für meinen Wandervorschlag erwärmen, naja sie hat ja noch Zeit sich zu entscheiden,...sagen wir bis nach dem Fussballmatch heute Abend. Hopp San Gallä!!!

9. Tag, 26.07.2020

Müstair - La Prese, ca. 80km

Blick über den Lage del Poschiavo
Blick über den Lage del Poschiavo
RhB
RhB
Der Morgen ist stark bedeckt, es sieht nach Regen aus, tatsächlich während des Frühstücks tröpfelt es ein wenig. Was nun, Rosi kann sich auf keinen meiner Vorschläge festlegen und will ihrerseits mit den Velo nach Sta. Maria fahren um bei Bäcker Meier, der mit den preisgekrönten Nusstorten..., einzukaufen. Nach Google hat der aber heute geschlossen, das deckt sich damit, das wir auf den Platz für heute kein Brot bestellen konnten.

Wir entscheiden uns nach kurzer Überlegung unsere Zelte schon heute abzubrechen und ins Puschlav zu fahren. Bereits um 10.30 Uhr sind wir startklar und fahren Richtung Ofenpass. In Sta.Maria stellen wir fest, das der Bäcker ja doch geöffnet hat und machen eine kurzen Stopp. Somit sind die Mitbringsel für unsere stillen Katzen- und Gartenbetreuer gebongt.

Übrigends scheint mittlerweile die Sonne von fast blauen Himmel....

Wir kürzen die Strecke auf halben Weg ab und fahren durch den Munt la Schera Tunnel nach Livigno. Gegen ein Entgeld von 22 Euro (weil ich das Ticket online gelöst habe !!) können wir den rund 3,4 km langen Tunnel, im Einbahnverkehr durchfahren. Der Tunnel wurde 1968 für den Bau der Staumauer Munt dal Gall an der Landesgrenze zu Italien erbaut. Anderst wäre das Zollfreigebiet von Livigno nur via Bormio oder über den Forclaz de Livigno von Berninapass aus erreichbar. In Livigno ist ganz schön was los, jede Menge Touristen, Wanderer, Biker, Shoppingkönige und Königinnen. Parkplätze sind Mangelware und die Stellplätze scheinen auch sehr gut belegt zu sein. Naja, ein Stop war hier ohnehin nicht geplant und wir fahren daher weiter in Richtung Forclaz de Livigno wo wir wieder auf Schweizer Boden kommen. An der Berninapassstrasse biegen wir links ins Puschlav ab, Farino würde mich verfl... so er könnte. Kurve an Kurve fahren wir südwärts bis wir Poschiavo erreichen. Wir fahren aber noch etwas weiter bis nach La Prese wo wir versuchen auf dem Camping Cavresc eine Übernachtungsplatz zu ergattern. Auch hier ist es kein Problem, und wir checken für 2 Nächte ein. Der Platz liegt in unmittelbarer Nähe zum Lago di Poschiavo und der ist über einen schönen Fussweg zu erreichen.

Nach dem wir uns eingerichtet haben machen wir mit Farino einen Spaziergang zum See um einige Fotos zu schiessen. Etwas später mach ich mich mit den Bike noch auf eine Rekognoszierungsfahrt nach Poschiavo und einmal um den See, damit ich morgen als kompetener Guide amten kann. Auf der Runde um den See hat es sehr viele Wanderer, was v.a. am Ostufer etwas mühsam ist, weil da der Weg doch z.T. recht schmal ist. Aber mit etwas Rücksicht ist auch das zu lösen und ich kehre ohne böse Worte zu unserem temporären Zuhause zurück.

Poschiavo
Poschiavo

10.Tag, 27.07.2020

Le Prese - Poschiavo und Umgebung, ca. 20 km

immer sportlich
immer sportlich
Beinhaus von Poschiavo
Beinhaus von Poschiavo
Erste Amtshandlung heute,... Brot beim Beck holen. Der kommt pünktlich, wie angekündigt um 09.00 Uhr auf den Platz. In meiner puschlaver Euphorie kaufe ich gleich drei Ringbrote, ...zwei hättens wohl auch getan. Wie ich später von meiner besseren Hälfte aufgeklärt werde ist dies eine puschlaver Spezialität, ha... gut gemacht, weil sieht echt lecker aus. Das Brot, vielmehr das "Brasciadela" wird mit dunklen Mehl und Anis gebacken, ähnliches gibt es auch im Vinschgau, dort aber mit Kümmel. Gott sei Dank sind wir nicht im Vinschgau.... Das Brot hat wirklich einen leichen Anisgeschmack, der ist aber nur leicht zu schmecken und das Brot ist so lecker wie es aussieht.


Nach dem Frühstück gehts auf die erste Bikerunde von heute,... 1x um den See bitte. Wir starten extra am Moregn mit der Runde um den See, weil wir denken es hat dann weniger Spaziergänger als gestern. Upps, was muss ich da sehen, ein Fahrverbotsschild für Fahrräder, das hab ich doch gestern glatt übersehen. Nun, da wir schonmal unterwegs sind lassen wir uns nicht beirren und radeln drauflos, immer rücksichtsvoll und gemütlich. Der See liegt heute ruhiger da als noch gestern wo er vom starken Südwind aufgewühlt war, das gibt ein paar hübsche Fotos fürs Album. In Miralago mache ich den Vorschlag kurz für einen Espresso Halt zu machen, aber Nein, zu früh für einen Stop sagt meine Frau. Auf der Westseite, wo der Weg breiter ist (kein Fahrverbot!!) kommen wir zügig vorwärts und sind nach rund 60 Minuten nach dem Start wieder zurück auf dem Campingplatz.

Erst nach der Mittagspause fahren wir dann noch nach Poschiavo, etwas bummeln, einkaufen und einen Coupe auf der zentralen Piazza essen. Das Städtchen ist überschaubar klein aber hübsch und einen Besuch wert. Die Altstadt rund um die Piazza ist schön herausgeputzt und strahlt mediteranes Flair aus. Rund um den Platz, der auf der einen Seite durch eine der drei Kirchen begrenzt wird, sind gemütliche Strassenlokale die zum Verweilen einladen. Dieser Einladung können wir natürlich nicht wiederstehen und setzen uns in die Biogelateria, um uns einen Coupe einzuverleiben. Mittlerweile ist es auch ganz schön warm geworden und die Sonne brennt auf mein schütteres Haar, dies hat zur Folge das ich mir die Kopfhaut verbrenne, was wiederum das kämmen in den nächsten Tagen etwas unangenehmer machen wird. Nach dieser süssen Versuchung gehts noch zum Coop um einzukaufen, dafür habe ich extra den grossen Rucksack mit genommen, der dann auch prall gefüllt wieder zurücktransportiert werden will. Ich bin froh das der Rückweg nicht allzu weit ist, das Gewicht zerrt ganz schön auf den Schultern, ob die Flasche Rotwein wohl doch etwas zuviel des Guten war?? Aber wir haben für heute einen italienischen Abend mit Pizza und so geplant, da gehört eine anständige Flasche einfach dazu, oder? Morgen gehts dann weiter, respektive zurück über den Bernina ins Engadin. Wir hoffen das wir auf dem Camping Montaratsch Unterschlupf finden, wenn nicht, fahren wir weiter und versuchens in Richtung Silvaplanersee.

etwas ungewohnt...
etwas ungewohnt...

11. Tag, 28.07.2020

Le Prese - Morteratsch, ca. 43km

unser Ausblick
unser Ausblick
unterwegs zum Gletscher
unterwegs zum Gletscher
Bilck zum Gletscher
Bilck zum Gletscher
alpiner Blumengarten
alpiner Blumengarten
brrr, ar.....kalt
brrr, ar.....kalt
Gleich zu Beginn noch ein Schmackerl von gestern Abend. Unsere Nachbarn, ein junges Pärchen aus dem Solothurnischen, haben sich im Grillen versucht....viel mehr das Männchen. Nachdem er in ca. 30 Min. einen 25.- Fr. Holzkohlegrill zusammengeschraubt hat, versucht er Brickets mit Anzündwürfeln zum glühen zu bringen. Ist natürlich möglich, dauert aber seine Zeit. Offensichtlich dauert es ihm zu lange und er schmeisst einen Zündwürfel nach dem andern zu den Brickets und hantiert eifrig mit dem Feuerzeug. Naja, als wir mit dem Abendessen fertig sind, legt er dann 2 Würstchen auf den Grill. Sie, also das Weibchen, war im Anschluss offensichtlich mit der Grillleistung zufrieden, was will man mehr. "Happy wife, happy live". Ich weiss ist etwas fies, aber ich guck nunmal so gerne... ;-).

Für uns gilt es dann heute Morgen ernst, zusammenpacken und abschiednehmen vom Val Poschiavo, einandermal vielleicht mit etwas mehr Zeit. Die kurze Fahrt den Berninapass hoch verläuft bis auf ein Lama von Motorradfahrer (italienischer Rollerpilot) ohne spezielle Vorkommnisse.

Auf der Passhöhe ist ganz schön was los, ebenso an der Talstation von der Diavolezza Bergbahn. Wir fahren desshalb zu und biegen etwa auf halben Weg nach Pontresina links zum Camping Morteratsch ab. Die Hoffnung auf einen Stellplatz schwindet, am Eingang hängt das Schild "Full". Ich fahr trotzdem mal zur Rezeption vor und versuche mein Glück mit einem freundlichen Lächeln, und siehe da. Es gibt noch ein Plätzchen für uns, und erst noch in bester Lage, gleich am kleinen Badesee. Ein wirklich herrlicher Platz mitten im Wald, durchzogen von kleinen Bächlein, die Parzellen wild verteilt, so richtig romantisch. Bilder folgen dann morgen noch.

Da die Anfahrt sehr kurz war, bleibt uns noch ausreichend Zeit zum Morteratschgletscher zu wandern. Wir packen den Rucksack mit ein paar Kleinigkeiten und machen uns gleich auf den Weg zur Gletscherzunge. Die Sonne brennt vom Himmel und der eigentlich einfache Weg wird doch noch anstrengender als erwartet. Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Ziel erreicht, eindrücklich wenn man 1:1 sieht wir schnell der Gletscher schmilzt. Rosi war in ihrer Schulzeit schonmal hier, heute muss sie einige hundert Meter weiter marschieren um an der Gletscherzunge zu stehen. Im Jahr verliert der Gletscher durchschnittlich etwas 18 Meter und man kann anhand der Markierungen die in immer kürzeren Abständen stehen erkennen das das schrumpfen immer schneller vor sich geht. Auf dem Rückweg machen wir ein kurzes Picknick, was Farino zum wiederholten Mal für ein kurzes Bad in einem der vielen Bächlein nutzt.

Aporospos Bad, ich lasse es mir natürlich nicht nehmen nach unserer Rückkehr auch noch einen kurzen Schwumm in See zu machen. Mitteilung an Chrigi, wenn du glaubst das Wasser im Badesee im Wallis ist kalt, der hier ist definitiv viiiiel kälter. Es schneidet mit fast die Sauerstoffzufuhr ab als ich mutig ins Wasser springe, entsprechend kurz ist dann auch die Schwimmrunde.

So jetzt muss ich Schluss machen, ich möchte noch grillen bevor das Gewitter, das sich im Moment ankündigt, das Zepter übernimmt.

12. Tag, 29.07.2020

Monteratsch - Bovalhütte, 14,3 km

romantische Stellplätze
romantische Stellplätze
Hat gestern nicht mehr gereicht, das Gewitter war schneller als der Grill. Was hat das kurze Zeit geschüttet,... den Zeitungsberichten nach sind wir aber sehr glimpflich davon gekommen. Andernorts hat glaube ich ganz schön was runtergehauen, bei uns ist es bei Wasser geblieben. Gegrillt hab ich dann während einer Regenpause, anschliessend musste ich auf Geheiss meiner besseren Hälfte alles zusammenräumen, sie hat eine Unwetterwarnung empfangen.... Zum Glück war das dann aber eine Falschmeldung und bis auf etwas Regen in der Nacht blieb alles ruhig.

Der heutige Tag beginnt mit eitel Sonnenschein und der Wetterbericht verspricht hier oben 25°C, bis auf ein paar Schönwetterwolken stimmt das dann auch. Zum Abschluss unserer Ferien möchte ich heute noch eine Bergwanderung zur Bovalhütte machen. Die Hütte liegt weiter hinten im Tal, oberhalb des Monteratschgleschers und die Marschzeit beträgt gemäss Wegweiser lediglich 2 Stunden. Leider muss man den gleichen Weg zurücknehmen, den Gletscher darf man nur in Begleitung eines Bergführeres überqueren, was sicherlich auch Sinn macht. Der Aufstieg zur Hütte gleicht einer Höhenwanderung die durchaus sehr gut zu begehen ist. Entsprechend viele Wanderer sind auf der Route unterwegs, viele nur in Turnschuhen, was ich nie verstehen werde. Gleich nach der RhB Station Monteratsch zweigt der Weg rechts ab und steigt im Wald zügig an und führt im Anschluss stetig berauf, ohne übermässig steil zu werden. Immer wieder habe das herrliche Panorama des Berninamassivs und der Gletscher vor mir. Weit unter mir ist der Weg zur Gletscherzunge zu sehen, welchen wir gestern begangen haben. Viele muntere Bächlein kreuzen den Wanderweg und sprudeln dem Tal entgegen und zum Teil bilden sich kleine Seen. Nach etwas mehr als 1,5 Stunden erreiche ich zur Mittagszeit die Bovalhütte auf rund 2500 müM und setz mich gleich auf die Terrasse. Ein Bier, selbst ein Calanda schmeckt nach einer Wanderung einfach herrlich. Ich geniesse die herrliche Aussicht von der Terrasse aus und beobachte mit dem Feldstecher diverse Gruppen auf dem Gletscher und weiter oben in den Schneefeldern darüber. Mein Shirt welches ich bei Aufstieg getragen habe ist mittlerweile fast trocken und verschwindet im Rucksack, dafür kommt der Fotoapparat für den Rückweg um den Hals.

Jetzt wird es richtig heiss und ich beneide die Wanderer, welche erst jetzt aufsteigen nicht und bin froh das ich am Vormittag los bin, denn der Weg ist meist der Sonne ausgesetzt und bietet nur wenig Schatten. Kurz vor 15.00 Uhr bin ich dann wieder zurück bei Frau und Hund, beide sitzen im Schatten des Wohnmobils wo ich mich dann auch gleich dazugeselle.

So nun endet morgen unsere Reise durchs Bündnerland, wir fahren nach Hause zurück. Was bleibt, sind sehr schöne Erinnerungen und das Wissen das es auch in der Schweiz schöne Flecken zu entdecken gibt. Zugebenermassen hatten wir ausgesprochenes Wetterglück, nur wenig Regen, schon gar keine ganzen Regentage aber etwas Glück gehört halt auch dazu. Wir haben nicht alle Stationen welche geplant waren angefahren, dazu waren unsere Aufenthalte v.a. im Münstertal etwas zu lange. Aber das hat so gepasst für uns. Wir werden bestimmt wieder zurückkommen, vielleicht dann lieber in der Vor - oder Nachsaison wenns nicht soviele Touristen hat.

Auch mit dem Campingplätzen haben wir es gut getroffen, obwohl wir anfangs etwas Bedenken hatten, ob wir überhaupt immer ein Plätzchen finden. Rückblickend kein Problem. Mal sehen, vielleicht gibts im Spätsommer nochmals einige Berichte von uns, falls ich es doch noch schaffe etwas Ferien abzubauen.

Badesee am Platz
Badesee am Platz